Bremen, 6. August 2016 – Der Bremer Unisee ist schwer zu segeln. Viele hohe Bäume erzeugen Abdeckung, und so kommt es zu Windlöchers. Selbst Lokalmatadore müssen diesen schwierigen Verhältnissen Tribut zollen. Auch Masthöhen von mehr als fünf Metern helfen da wenig!

Eine enorme Bandbreite verschiedener Boote und Beseglungen war in diesem Jahr beim 6. Internationalen Kanusegel-Criterium des KanuClub Hanseat e.V. in Bremen am Start. Einige Teilnehmer übernachteten im Bootshaus des KCH und paddelten dann nach dem Frühstück die fünf Kilometer lange Strecke zum Unisee; andere kamen direkt dorthin und setzten dort ein.

Und so verlief das 6. Internationale Kanusegel-Criterium:

11:30 Uhr – Die Steuermannsbesprechung

Als Erstes begrüßt Stefan die Teilnehmer aus Holland, Frankreich, USA, Schweiz und aus heimischen Gefilden. Schirmsegler Jan schließt sich an und begrüßt die Teilnehmer in seiner unnachahmlichen Art im Namen des Deutschen Kanu-Verbandes. Zu guter Letzt erläutert Enno die legendäre „Walter Becker-Ausgleichsformel“ und schlägt Ergänzungen für verschiedene Bootstypen vor:

  1. Faltboote mit größerer Beseglung als Standard haben eine gefaltete Wolldecke im Schlepp mitzuführen.
  2. Kanadier mit mehr als den klassischen 5 m2 Segelfläche haben im Top eine Flagge aus Peers umfangreichem Fundus zu setzen.
  3. Kanadier und Boote mit durchgelatteten Segeln müssen während der Regatta eine 360° Wende extra segeln.
  4. Für eine Durchkenterung soll es eine Zeitgutschrift von einer Minute geben.

Die Ergänzungen wurden mit großem Jubel aufgenommen.

Kurz vor 12:00 Uhr – Die Startvorbereitungen

Ein absoluter Höhepunkt des Criteriums war die unmittelbare Phase vor dem Start. 22 vollkommen unterschiedliche Boote tanzten im Startraum umeinander herum und kämpften bei teilweise heftigen Böen um die besten Startpositionen. Ein grandioses Schauspiel!

Gegen 12:00 Uhr – Der Start

Der Start gegen 12 Uhr ging dank des mehrstimmigen Tröten-Orchesters diesmal nicht – wie im letzten Jahr – im Windgebrause unter. Unmittelbar nach dem Start ging ein Raunen durchs Feld: einer der Top-Favoriten, Axel aus der Schweiz, lag nach einer Patenthalse im Teich. Doch für die restlichen Segler gab es nun kein Halten mehr! Die erste imaginäre Wendetonne fest im Blick, rauschte die Armada vor dem Wind Richtung FKK.

Die Position der Wendetonne Richtung Gaststätte am Campingplatz wurde von allen Seglern individuell festgelegt. Dadurch gab es einige Positionskorrekturen im Feld. Danach klebten die Boote vor dem FKK-Strand scheinbar fest. Ob es am Ausblick oder der Windrichtung lag, ließ sich für die Zuschauer nicht ergründen.

Nach der letzten imaginären Wendetonne an der Gaststätte ging es auf die Zielgerade. Koos führte das Feld an, gefolgt von Ingo, Eckhard und Stefan. Kurz vor dem Ziel, dem Strand am DLRG, wirkte sich die Abdeckung durch die hohen Bäume aus. Der Wind war passé! Koos stand mit seinem Artemis-Kanu 15 Meter von dem Strand und Ingo lag 20 Meter dahinter. Koos rettete seinen Vorsprung mittels Handpaddeln zum Strand. Stefan nutzte diese Situation als erfahrener Regattasegler und ehemaliger Gewinner eiskalt unter strenger Ausnutzung der „Walter Becker-Ausgleichsformel“ und lenkte sich mit Vortrieb erhaltenden Steuerschlägen auf Platz zwei. Ingo und Eckhard liefen als Dritter und Vierter ein. Nach und nach trudelte das restliche Teilnehmerfeld am Strand ein. Nebenbei gab es eine wilde Rettungsaktion für ein weiteres gekentertes Boot. Maik mit seinem Faltboot Kolibri 4 und selbstgebauter Ketsch war gekentert; der Bug des Bootes ragte dank eines einzelnen Auftriebskörpers wie eine Haifischflosse aus dem Wasser. Schnell waren zwei Boote bei ihm und halfen bei der Rettung.

13:00 Uhr – Nach der Regatta

Am Strand war nun die Party in vollem Gange. Sektflaschen wurden gelenzt; liebevoll vom KCH Catering-Team vorbereitete Häppchen, Kuchen und Torten wurden verzehrt. Währenddessen tobten sich einige Unersättliche bei auffrischendem Wind auf dem See aus. Gegen 15 Uhr machte sich Aufbruchsstimmung breit und viele paddelten zurück über Kuhgraben und Wümme zum Bootshaus des KCH; einige riggten am Unisee ab.

Ab 18:00 Uhr – Das Ende eines gelungenen Tags

Der Abend endete bei grandioser Stimmung mit dem obligatorischen Grillen, der Preisverleihung, dem traditionellen Gin Tonic-Umtrunk und dem legendären Curry mit Reis im Riesentopf von Peer. Ein hervorragender Ausklang! Gut gestärkt hielt der harte Kern bis gegen ein Uhr durch und war bei abnehmender Gesprächsqualität vornehmlich mit dem Lenzen von Bier- und Whiskeyflaschen beschäftigt. Alles in allem wieder eine großartige Veranstaltung, zu der Kajaksegeln 3.0 in jedem Fall am 5. August 2017 wieder in Bremen sein wird.